ZüRICH MACHT SICH FREI

Fünf  Pioniere  der Film- und Videokunst knüpfen sich sanft bis tacheless die zugeknöpfte Zwinglistadt vor: In melancholisch blauen bis berauschend orgiastischen Liebesspielen, anhand der Versuchsanordnung Mann als stumme Körperlandschaft, leichtfüssig und unbedarft, oder aber in klaren Worten dringt dieses historische Programms in Tabuzonen, wie dem Sündenbabel Niederdorf, vor. Mit Filmen von Isa Hesse-Rabinovitch, Rudolf de Crignis, Pipilotti Rist, Walter Pfeiffer, und Tula Roy.

Kuratiert von Valerie Thurner mit der Unsterstützung von Michael Hiltbrunner

In  Anwesenheit von Tula Roy und Michael Hiltbrunner

BODY BODY BLUES

Isa Hesse-Rabinovitch

CH 1986, Experimental, 12 min  


„Blue ist he color of my heart“, singt eine eingängige Melodie über diese Videoarbeit der  Zürcher Filmpionierin Isa Hesse-Rabinovitch. Ein verführerischer Tanz mit dem Skorpion gerinnt zu einem Liebesspiel an der Schwelle zur Abstraktion: Liebe, Lust und Tod, Sonne und Wasser.

KÖRPERLÄNGE

Rudolf de Crignis 

CH 1974, Experimental, 12 min

stumm 

 

Der Körper galt in der Performance- und Videokunst gemeinhin als Frauendomäne. In einer Zeit, als nackte Haut Zürich noch in Aufruhr brachte, experimentierte Rudolf de Crignis mit den ästhetischen und technischen Möglichkeiten mit einer Super 8 Kamera. Entstanden ist ein Selbstporträt in Form einer Körperlandschaft.

MUSIC FOR MILLIONS

Walter Pfeiffer

CH 1977-1984, Experimental, 20 min

 

Music for Millions ist erstmals im Rahmen der  Ausstellung „Freie Sicht auf’s Mittelmeer 1998 im Kunsthaus Zürich von Walter Pfeiffer öffentlich gezeigt worden.  Ein Zusammenschnitt von Video-Experimenten mit zarter Erotik sowie humorvollen fast dadaistischen Elementen. Hier trifft Rock’n Roll auf Geburtsvorbereitung, sinnliche Männermünder auf tanzende BHs. Die Lust nach Befreiung ist der Grundton dieser Spurensuche nach Gender-Identität.

LADY SHIVA

Tula Roy

CH 1975, Documentary, 35 min

CH-Deutsch


Ihr Körper war ihr Kapital, sie eckte überall an: Für die Feministinnen war sie zu sexy, von Bürgerlichen geächtet, für Studenten der heimliche feuchte Traum. Irene Staub alias Lady Shiva war die berühmteste Prostituierte des Landes. Lustobjekt, schillernde Ikone, Model und Künstlermuse. Das Porträt von Tula Roy erzählt von einer Frau zwischen Männerphantasie, Emanzipation und  innerer Zerrissenheit. Ein Stück Zürcher Stadtgeschichte, als Kunst, Milieu und Partyvolk noch zusammen gehörten, wie wir sonst  aus der Kunstgeschichte des Fin de Siècle kennen.

PICKELPORNO

Pipiloti Rist

CH 1992, Experimental, 12 min

 

Wie kann Videokunst sexuelle Empfindungen sichtbar machen? Mit diesem Kalaidoskop aus berauschenden Körperbildern, die sich über Achterbahnfahrten mit der Kamera vor dem Betrachter in leuchtenden Farben aufbauen und sich in einem orgiastischen Reigen entladen. Der Name provozierte mehr als der Inhalt, mit Pickelporno gewann Pipilotti Rist 1992 den Zürcher Filmpreis.


Danke an:

Tula Roy, Jürg Nutz, Michael Paoletta, Walter Pfeiffer, Silver Hesse, Fred Truniger, Anka Schmid, Mara Züst